
WIE DER WOLF ZU UNSEREM BESTEN FREUND WURDE
Es gibt sehr unterschiedliche Zahlen, wann der Wolf auf den Menschen getroffen ist und die gemeinsame Geschichte ihren Anfang fand. Manche Quellen gehen von 100.000 Jahren (1) aus, andere von 30.000 (2) bis 45.000 Jahren.


Geรคndert: 01.10.2024
Verรถffentlicht: 09.03.2021
Es verbindet uns eine lange Geschichte mit dem Hund: Zunรคchst brachte er als Wolf einen Nutzen mit sich. Dann entwickelte er sich zu einem Partner. Und heute ist er ein Familienmitglied, unser bester Freund. Der Hund war das erste Haustier der Menschen und in all den Jahrzehnten hat sich eine einzigartige Beziehung zu ihm entwickelt. Zumindest jeder Mensch, der sein Leben mit einem Hund teilt, wรผrde diese Aussage unterschreiben.
Kommt mit uns auf eine Reise durch die Zeit, wir erkunden gemeinsam die Entwicklung des Wolfes zum heutigen Haushund.

DER WOLF EROBERTE DIE WELT
Unsere Reise beginnt vor etwa einer Millionen Jahre mit dem Auftreten des Wolfes (Canis lupus). Er hat sich von Europa und Asien in nahezu der ganzen Welt ausgebreitet und sich dabei den unterschiedlichsten, teilweise extremsten Lebensrรคumen und Bedingungen angepasst. Er ist ein schneller Beutegreifer, stark, flexibel und schlau. Das machte den Wolf lange Zeit zum am weitesten verbreiteten Raubtier der Erde.

DOCH DANN KAM DER MENSCH
Es gibt sehr unterschiedliche Zahlen, wann der Wolf auf den Menschen getroffen ist und die gemeinsame Geschichte ihren Anfang fand. Manche Quellen gehen von 100.000 Jahren (1) aus, andere von 30.000 (2) bis 45.000 Jahren. Klar ist aber, dass Mensch und Hund schon viele Jahrzehnte miteinander verbinden.
Zunรคchst beobachtete der Wolf den Menschen. Sowohl Mensch als auch Wolf waren damals erfolgreiche Jรคger mit einem รคhnlichen Beutespektrum. Beide machten vornehmlich Jagd auf Groรwild (z.B. den Riesenhirsch) und teilten sich dabei hรคufig dasselbe Jagdgebiet. Das machte Wolf und Mensch zu Konkurrenten.
In Notzeiten wagten sich die Wรถlfe an die Lager der Menschen und suchten in den Abfรคllen nach Essensresten. Weniger scheue Tiere verringerten mit der Zeit ihre Fluchtdistanz, wurden aber von den Menschen toleriert. Daraus entwickelte sich eine Zweckbeziehung: Der Wolf konnte beim Menschen Nahrung finden, wรคhrend dieser vor wilden Tieren gewarnt oder diese fรผr die Jagd aufgespรผrt hat.
DER BEGINN EINER EWIGEN PARTNERSCHAFT
Als direkter Vorfahre des Hundes gilt der Lagerwolf (3). Dieser ist zwar noch nicht gezรคhmt, hat aber bereits Erfahrungen im Leben mit dem Menschen. Daraus folgten erste Zรคhmungen, vermutlich durch die Handaufzucht von Welpen. Forscher nehmen an, dass diese Zeit dennoch von Konflikten zwischen Mensch und Tier begleitet war und Wรถlfe in Notzeiten auch vom Menschen fรผr den Verzehr getรถtet wurden (4).
Mit dem Ende der letzten Eiszeit (vor etwa 10.000 Jahren) erfolgte ein Wendepunkt im Jagdverhalten der Menschen. Groรwild wie das Mammut starb aus, so dass die Jagd auf kleinere, schnellere Tiere umgestellt werden musste. Hierbei erwies sich der Wolf als ideale Unterstรผtzung: Er spรผrte die Tiere auf und trieb sie direkt vor die Speere der Jรคger. So etablierte sich der Wolf zu einem idealen Jagdgefรคhrten und Partner.
VOM JรGER ZUM BESCHรTZER
In der Jungsteinzeit (je nach Region etwa 8.500 bis 3.300 v. Chr.) fand ein weiterer wichtiger Wendepunkt statt. Nicht nur fรผr die Entwicklung des Menschen, sondern auch in der Domestikation des Hundes: Der Mensch wurde sesshaft und wandelte sich vom Jรคger und Sammler hin zum Bauern und Viehzรผchter. Hierbei รผbernahm der Hund die wichtige Rolle des Wach- und Hรผtehundes. Anders als beim Wolf kann der Jagdtrieb beim Hund schwach ausgebildet sein bzw. abtrainiert werden. Dadurch hat der Hund einen festen Platz in der Gemeinschaft eingenommen. Ein Platz, den ein Wolf nicht hรคtte besetzen kรถnnen und wollen.
DER HUND โMUTIERTโ ZUM ALLESFRESSER
Der Hund lieร sich nun auch vom Menschen fรผttern, aber da Fleisch noch immer wertvoll und den Menschen vorbehalten war, bestand die Nahrung des Hundes weiterhin grรถรtenteils aus pflanzlichen Zutaten. Dies fรผhrte zu einer Mutation der Gene: Heute hat der Hund die fรผnffache Menge an Amylaseenzymen (sogar mehr als Pferde!) und kann dadurch Stรคrke verdauen (5). Somit war der Hund bestens an die รผberwiegend pflanzliche Nahrung der damaligen Zeit angepasst.
DER MENSCH BEGANN ZU FORMEN
Im Laufe der Zeit hat haben sich Mensch und Hund immer mehr an das gemeinsame Leben angepasst. So haben sich verschiedene Rassen in den verschiedenen Teilen der Erde aufgrund der jeweiligen Bedรผrfnisse und Bedingungen entwickelt:

In der Zeit der Pharaonen (etwa 2.707 bis 1075 v. Chr.) entstand in รgypten der Tesem, eine der รคltesten Hunderassen. Es bestand dort eine sehr innige Beziehung zwischen Mensch und Hund, er wurde als Teil der Familie anerkannt und trug einen Namen. Der Hund hatte bei den รgyptern eine besondere Bedeutung, da er als Gott Anubis รผber die Toten wachte. So schor sich der Hundehalter nach dem Tod seines Hundes als Zeichen seiner Trauer eine Glatze.

Der krรคftige, furchtlose Molosser wurde im alten Persien (550 bis 330 v. Chr.) als Kriegshund und bei den Rรถmern bei Arenakรคmpfen eingesetzt.

Arabische Beduinen sollen die ersten gewesen sein, die Peruanische Windhunde zรผchteten, die durch ihren schmalen Kรถrper und die langen Beine perfekt an die Jagd angepasst waren.

Chinesische Kaiser hatten eine Vorliebe fรผr kleine Hunde, woraus wรคhrend der Han-Dynastie (206 v. bis 220 n. Chr.) der Pekinese entstand.
DER HUND SOLLTE LERNEN
Im Jahre 4 v. Chr. verfasste der Grieche Xenophon das Werk โKynegetikรณsโ, in dem Zucht und Erziehung von Hunden erstmals festgehalten sind. Er hat schon damals festgestellt, dass Hunde lieber kurze Namen tragen sollten und Kommandos knapp und eindeutig sein mรผssen. Die niedergeschriebenen Worte haben noch heute Bedeutung.
EINE EINZIGARTIGE BEZIEHUNG
Wissenschaftler gehen davon aus, dass der Mensch ohne den Hund heute nicht dort stรผnde, wo er steht, da er die Entwicklung des Menschen maรgeblich mitgestaltet hat. Heute ist der Hund nach der Katze das beliebteste Heimtier. 2020 lebten 10,56 Mio. Hunde in deutschen Haushalten (6). (Quelle: Statista).

Zwischen Mensch und Hund hat sich in all den Jahrzehnten eine einzigartige Beziehung entwickelt.Der Hund kann unsere Emotionen lesen, unsere Gestik und Mimik identifizieren, uns verstehen.Er kann Sprache und Tonfall in Zusammenhang bringen und erkennt Lob nur dann an, wenn es auch zum Tonfall passt. Wenn wir unsere Hunde ansehen, schรผtten wir Glรผckshormone aus. Gleichzeitig sinkt unser Stresshormon, wenn wir sie streicheln. Auch beim Hund sind diese Hormonรคnderungen mรถglich (7, 8). Es gibt auch verschiedene Studien, die belegen, dass Menschen mit Hunden ein gesรผnderes Leben fรผhren. In Schweden konnte bestรคtigt werden, dass Hundehalter*innen im Schnitt drei Jahre lรคnger leben (9).

WO IST DER WOLF GEBLIEBEN?
Nach all den Jahren des gemeinsamen Lebens, der gemeinsamen Entwicklung ist vom Wolf nur noch wenig รผbriggeblieben. Wรคhrend der Wolf ein Rudeltier mit ausgeprรคgtem Sozialsinn innerhalb der Familie ist, hat der Hund sein Sozialverhalten weg von seinen Artgenossen hin zum Menschen bewegt. Er ist nun sein Sozialpartner, ihm gilt seine Loyalitรคt und Kooperation.
Auch optisch hat sich viel verรคndert: Es gibt mittlerweile etwa 400 Hunderassen. Manche von ihnen haben eingedrรผckte Nasen, kurze Schwรคnze oder riesige Augen. Manche Merkmale beeintrรคchtigen sogar die Gesundheit der Tiere.
Wir legen unseren Hunden Halsbรคnder und Leinen an, bestimmen ihre Essens- und Gassi-Zeiten. Wir gehen mit ihnen zum Tierarzt, kuscheln auf dem Sofa und bringen ihnen Kunststรผckchen bei. Nur bei der Fรผtterung sind viele der Meinung, dass sie wieder einen Wolf und Jรคger zuhause auf dem Sofa sitzen haben. Und mal unter uns gesagt: Die Vorstellung, dass ein Rudel Chihuahuas versucht, ein Rind zu jagen, lรคsst uns doch etwas schmunzeln ๐
Selbst Straรenhunde schlieรen sich lieber dem Menschen an und ernรคhren sich von ihren Abfรคllen anstatt selber zu jagen. So wie der Wolf es vor vielen Jahrzehnten getan hat. Das Leben mit dem Menschen schont Ressourcen und ist somit arterhaltend.
MEIN HUND, DER VEGANERโฆ?
Wieso also wird gerade bei der Ernรคhrung immer wieder die Abstammung vom Wolf als Argument fรผr eine fleischlastige Ernรคhrung hervorgezogen?
Tessa Zaune-Figlar, Grรผnderin von VEGDOG
Der Hund ist durch seine Domestikation anders als der Wolf in der Lage,Stรคrke zu verstoffwechseln und somit wie wir Menschen ein Allesesser (5).Pflanzliches Protein kann der Hund genauso gut verdauen wie tierisches, sofern es ihm in geeigneter Form zur Verfรผgung steht.Hunde brauchen also Proteine und kein Fleisch!
Hunde essen heute โ wie auch wir Menschen โ viel zu viel Fleisch. Es ist leicht verfรผgbar und billig. Anders als frรผher, wo es eine Besonderheit darstellte. In den 90er Jahren enthielten Futtermittel beispielsweise nur 4% tierischer Nebenerzeugnisse, wรคhrend der Fleischanteil heute bei bis zu 80% reinem Muskelfleisch liegt. Darin liegt auch die steigende Zahl von Futtermittelallergien begrรผndet. Manche Hunde vertragen tierisches Protein gerade in groรen Mengen nicht einmal mehr (10, 11) wie die BMC Veterinary Research bestรคtigt:
BMC Veterinary Research von Mueller et al., 2016 (9)
The most frequently reported food allergens involved in CAFRs in dogs were beef (102 dogs, 34 %), dairy products (51 dogs, 17 %), chicken (45 dogs, 15 %), wheat (38 dogs, 13 %) and lamb (14, 5 %). Other less commonly reported offending food sources were soy (18 dogs, 6 %), corn (13 dogs, 4 %), egg (11 dogs, 4 %), pork (7 dogs, 2 %), fish and rice (5 dogs each, 2 %).
Eine fleischlastige Hundeernรคhrung ist also unangemessen, einepflanzliche dagegen nicht nur mรถglich, sondern in manchen Fรคllen sogar ratsam.

Entscheidend ist, dass es den Hunden schmeckt und sie mit allen notwendigen Nรคhrstoffen versorgt sind. Und dafรผr stehen wir mit unseren VEGDOG-Produkten. Wenn wir dadurch nebenbei noch Leben retten und das Klima schรผtzen kรถnnen, sollte eine vegane Hundeernรคhrung keinen Anlass mehr zu Diskussionen liefern. Selbst ein Veggie-Day pro Woche macht schon viel aus, denn JEDE DOSE ZรHLT!
Wรถlfe sind wundervolle Tiere und wir sind dankbar, dass er der Stammesvater unserer Hunde ist. Ohne ihn gรคbe es unsere Fellnasen nicht. Aber der Wolf lebt in seiner Wildnis und der Hund in unseren Wohnungen und Hรคusern. Andersherum wรคre es heute auch gar nicht mehr mรถglich. Es ist also an der Zeit, auch bei der Ernรคhrung Abstand vom Vergleich des Wolfes nehmen.
QUELLEN
(1) Vilร , C., et al., Multiple and Ancient Origins of the Domestic Dog. Science, 1997. 276(5319): p. 1687.
(2) Skoglund, P., A. Gรถtherstrรถm, and M. Jakobsson, Estimation of Population Divergence Times from Non-Overlapping Genomic Sequences: Examples from Dogs and Wolves. Molecular Biology and Evolution, 2010. 28(4): p. 1505-1517.
(3) Freedman, A.H., et al., Genome sequencing highlights the dynamic early history of dogs. PLoS Genet, 2014. 10(1): p. e1004016.
(4) Galibert, F., et al., Toward understanding dog evolutionary and domestication history. Comptes Rendus Biologies, 2011. 334(3): p. 190-196.6. Axelsson, E., et al., The genomic signature of dog domestication reveals adaptation to a starch-rich diet. Nature, 2013. 495(7441): p. 360-364.
(5) Axelsson, E., et al., The genomic signature of dog domestication reveals adaptation to a starch-rich diet. Nature, 2013. 495(7441): p. 360-364.
(6) Statista (2021), Haustierbesitzer in Deutschland nach Anzahl von Hunden im Haushalt von 2017 bis 2020. 23.02.2021.
(7) Archer, J., Why do people love their pets? Evolution and Human Behavior, 1997. 18(4): p. 237-259.
(8) Topal, J., Attachment behavior in dogs (Canis familiaris): A new application of Ainsworthโs (1969) Strange Situation Test. Journal of Comparative Psychology, 1998. 112(3): p. 219-229.
(9) Mubanga, M., et al., Dog ownership and the risk of cardiovascular disease and death โ a nationwide cohort study.Scientific Reports, 2017. 7(1): p. 15821.
(10) Mueller, R.S., T. Olivry, and P. Prรฉlaud, Critically appraised topic on adverse food reactions of companion animals (2): common food allergen sources in dogs and cats. BMC Veterinary Research, 2016. 12(1): p. 9.12.
(11) Meyer&Zentek, Ernรคhrung des Hundes, ed. 7. 2013, Berlin: Thieme Verlagsgruppe